Der Kanon Die deutsche Literatur






Thomas Bernhard

Seine Romane, Geschichten und Dramen sind Berichte eines Leidtragenden, Konfessionen eines Besessenen. Seine bohrende Teilnahme galt den Gefährdeten und den Verlorenen, den Menschen, die vom Sog der Abgründe erfaßt werden. Er protestierte gegen seine Umwelt und damit gegen die Welt schlechthin, er empörte sich gegen das menschliche Dasein. Dieses Werk ist eine fortwährende Meuterei, eine endlose Rebellion. Die Grundelemente seiner Prosa sind die Litanei und das Lamento, die komische Litanei, das heitere Lamento.

MRR





Die Macht der Gewohnheit (Band 8, Seite 533), Erstdruck: Frankfurt am Main 1974. Uraufführung: Salzburger Festspiele 27. Juli 1974. Druckvorlage: Einzelausgabe, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag (Bibliothek Suhrkamp 415) 1974.




1931
9. Februar: Thomas Bernhard wird im Hospital St. Elisabeth in Heerlen (Holland) als unehelicher Sohn von Herta Freumbichler, Tochter des Schriftstellers Johannes Freumbichler, geboren.

1932
Ab Juli: Bei den Großeltern (mütterlicherseits) in Wien.

1935
Übersiedlung mit den Großeltern nach Seekirchen am Wallersee.

1936
Heirat der Mutter mit Emil Fabjan. Das Ehepaar lebt in Wien. Besuch der Volksschule in Seekirchen im Herbst.

1937
Übersiedlung mit den Großeltern nach Traunstein, Oberbayern. Erster Musikunterricht.

1938
Ab Januar: Bernhard lebt mit seiner Mutter in Traunstein (Oberbayern). Erste schulische Schwierigkeiten. Geburt des Halbbruders Peter Fabjan.

1942-1945
Internat in Salzburg, Gymnasium. NS-Schülerheim ›Johanneum‹.

1943
Tod des Vaters. Violinunterricht.

1944
Nach dem schwersten Bombenangriff auf die Stadt Salzburg wird Bernhard im Herbst nach Traunstein zurückgeholt.

1945
September: Rückkehr ans – jetzt katholische – Salzburger ›Johanneum‹. Besuch des Humanistischen Gymnasiums. Vertreibung der Familien Fabjan und Freumbichler aus Bayern, Bernhard bleibt in Salzburg.

1946
Juni: Übersiedlung der Eltern und Großeltern und des Onkels Harald Pichler nach Salzburg. Unterricht in Musikästhetik bei Professor Theodor W. Werner, Gesangsunterricht bei Maria Keldorfer.

1947
Eigenmächtiger Abbruch des Gymnasiums und Beginn einer kaufmännischen Lehre. Erste Gedichte.

1949-1951

Aufenthalt in der Lungenheilanstalt Grafenhof in Folge einer schweren Lungentuberkulose.
1950
Tod der Mutter. Erste Prosaveröffentlichung Vor eines Dichters Grab im ›Salzburger Volksblatt‹.

1952
Wiederaufnahme des Musikunterrichts. Erster Aufenthalt in Venedig. Akademie Mozarteum. Freiplatz der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Wien.

1952-1955
Gerichtsreporter des sozialistischen ›Demokratischen Volksblatt‹.

1953
Erste Jugoslawienreise.

1956
Sizilien.

1957
Juni: Abschluß des Mozarteums mit Bühnenreifeprüfung. Von jetzt an lebt Thomas Bernhard als freier Schriftsteller.
Der erste Gedichtband Auf der Erde und in der Hölle erscheint.

1957-1960
Freundschaft mit der Sängerin Maja Lampersberg und dem Komponisten Gerhard Lampersberg, bei dem er in Maria Saal (Kärnten) längere Zeit wohnt.

1959
Das Werk Die Rosen der Einöde. Fünf Sätze für Ballett, Stimmen und Orchester entsteht. Reisen nach Hamburg, Frankfurt, Köln.

1960
Juli: Aufführung mehrerer Kurzschauspiele und einer Oper in Maria Saal, Kärnten. Bruch der Beziehung mit den Lampersbergs. Englandaufenthalt.

1962
Erster Polenaufenthalt.

1963
Literarischer Durchbruch mit dem Roman Frost, der im Insel Verlag erscheint. Reisen nach Polen, Oberitalien und in die Schweiz. Thomas Bernhard besucht Carl Zuckmayer in Saas-Fee.

1964
Aufenthalte in Hannover. Erste Arbeiten an Amras. Bekanntschaft mit Siegfried Unseld. Amras erscheint.

1965
Wieder Aufenthalt in Hannover. Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen. Bernhard zieht nach Ohlsdorf bei Gmunden (Oberösterreich), seitdem ständiger Wohnsitz.

1966
Aufenthalt in Brüssel, wo er den Roman Verstörung schreibt.

1967
Verstörung erscheint.

1968
Die Erzählung Ungenach erscheint.

1969
Watten. Ein Nachlaß erscheint.

1970
Der Roman Das Kalkwerk erscheint. Bernhard erhält den Georg-Büchner-Preis.

1972
29. Juli: Uraufführung des Stücks Der Ignorant und der Wahnsinnige bei den Salzburger Festspielen.

1974
27. Juli: Uraufführung der Komödie Die Macht der Gewohnheit bei den Salzburger Festspielen.

1975-1982
Es erscheinen die autobiographischen Schriften: Die Ursache (1975), Der Keller (1976), Der Atem (1978), Die Kälte (1981) und Ein Kind (1982).

1983
Der Roman Der Untergeher erscheint.

1984
Längerer Aufenthalt in Madrid. Der Roman Holzfällen erscheint.

1985
Die Komödie Alte Meister erscheint. Skandal anläßlich der Uraufführung des Stück Der Theatermacher bei den Salzburger Festspielen am 17. August.

1986
Das Prosawerk Auslöschung erscheint.

1987
Januar bis März: Aufenthalt in Sintra bei Lissabon.

1988
Prix Medicis für Alte Meister. Ablehnung des italienischen Feltrinelli-Preises. Reise mit Halbschwester Susanne nach Spanien.
Ende November: Thomas Bernhard erleidet eine Herzattacke.

1989
12. Februar: Bernhard stirbt in seiner Gmundener Wohnung. Sein Tod wird erst nach dem Begräbnis bekanntgegeben.
Im Testament Verbot der Neuinszenierung von Bühnenstücken sowie der Publikation bisher unveröffentlichter Texte in Österreich.
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