Bertolt Brecht
Er wurde, was ihm schon in seiner Jugend als Aufgabe und Ziel vorschwebte: ein Klassiker. Er hat das Jahrhundert in die Schranken gefordert – mit einem unvergleichlichen dramatischen Werk, das vom Expressionismus über die Dreigroschenoper, die Oper Mahagonny und die Lehrstücke zu großen ideologischen Stücken des Exils und seiner Spätzeit führt. Den Bühnenwerken verdankte er seinen Weltruhm. Doch zugleich war er ein genialer Lyriker. Den Lesern, die den Rilkeschen Rhythmus im Blute hatten und die Georgesche Melodie im Ohr, vermochte er zu beweisen, daß die Synthese von Dichtung und Intellekt nicht nur nötig, sondern auch möglich sei, daß also der Gesang vernünftig und die Vernunft poetisch sein kann.
MRR
Die Dreigroschenoper (Band 7, Seite 195), Erstdruck in: ›Versuche‹, Berlin 1931, H. 3. Uraufführung: Berlin 31. August 1928.
Leben des Galilei (Band 7, Seite 283), Erstdruck in: ›Versuche‹, Frankfurt am Main u. Berlin/DDR 1955, H. 14 [Erstdruck der Amerikanischen Fassung in: From the Modern Repertoire, Band 2, Denver 1952]. Uraufführung: Köln 16. Mai 1955 [u. d. T. »Galileo Galilei«; Uraufführung der Fassung 1938/39: Zürich 9. September 1943].
Mutter Courage (Band 7, Seite 397), Erstdruck in: ›Versuche‹, Berlin/West. 1949, H. 9 [die 6. Szene erschien zuvor in: ›Internationale Literatur‹, Moskau,
Dezember 1940; die 9. Szene in: ›Die Fähre‹, München 1947, H. 1]. Uraufführung: Zürich 19. April 1941.
1898
10. Februar: Bertolt (eigentlich Eugen Berthold Friedrich) Brecht wird als Sohn des kaufmännischen Angestellten Friedrich Brecht und seiner Frau Wilhelmine Friederike Sofie, geb. Brezing, in Augsburg geboren.
1916
Bekanntschaft mit Paula Banholzer.
1917
Notabitur während des Ersten Weltkriegs. Studium der Medizin und Philosophie an der Münchner Universität.
1918-1919
Oktober-Januar: Militärdienst im Reservelazarett Augsburg.
1919
Geburt des Sohnes Frank (Mutter Paula Banholzer).
1920
Erste Berlinreise.
1922
29. September: Uraufführung der Komödie Trommeln in der Nacht in München. Brecht arbeitet als Dramaturg bei den Münchner Kammerspielen. Bei den Proben zur Berliner Premiere von Trommeln in der Nacht lernt Brecht Helene Weigel kennen. Das Bühnenstück Baal erscheint.
Heirat mit Marianne Zoff. Verleihung des Kleist-Preises.
1923
Geburt der Tochter Hanne (Mutter Marianne Zoff).
1924
Übersiedlung nach Berlin, wo er als Dramaturg am Deutschen Theater für Max Reinhardt tätig ist. Geburt des Sohnes Stefan (Mutter Helene Weigel).
1926
25. September: Uraufführung des Stücks Mann ist Mann in Darmstadt.
1927
Der Gedichtband Bertolt Brechts Hauspostille erscheint. Scheidung der Ehe mit Marianne Zoff.
1928
31. August: Uraufführung von Die Dreigroschenoper (Musik von Kurt Weill) in Berlin.
1929
Heirat mit Helene Weigel. Arbeit an dem Stück Die heilige Johanna der Schlachthöfe.
1930
Die ersten Geschichten vom Herrn Keuner erscheinen.
9. März: Uraufführung der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (Musik von Kurt Weill) in Leipzig. Geburt der Tochter Barbara (Mutter Helene Weigel).
10. Dezember: Uraufführung des Lehrstücks Die Maßnahme in Berlin.
1933
28. Februar: Einen Tag nach dem Reichtagsbrand verläßt Brecht mit seiner Familie Deutschland. Über Prag, Wien, Zürich, Carona und Paris kommt er nach Svendborg in Dänemark. Beginn der Freundschaft mit Ruth Berlau.
1934
Die Gedichtsammlung Lieder Gedichte Chöre und Der Dreigroschenroman erscheinen.
1935
Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft.
1936
Gemeinsam mit Lion Feuchtwanger und Willi Bredel Herausgabe der Literaturzeitschrift ›Das Wort‹.
1937
16. Oktober: Uraufführung des Stücks Die Gewehre der Frau Carrar in Paris.
1938
21. Mai: Uraufführung von Furcht und Elend des Dritten Reiches (in einer stark gekürzten Fassung u. d. T. 99 %) in Paris. Das Schauspiel Leben des Galilei entsteht.
1939
Wegen Kriegsgefahr Übersiedlung nach Lidingö in Schweden. Die Svendborger Gedichte erscheinen. Das Bühnenstück Mutter Courage und ihre Kinder entsteht.
1940
Übersiedlung nach Finnland, wo der Prosadialog Flüchtlingsgespräche entsteht.
1941
19. April: Uraufführung von Mutter Courage und ihre Kinder in Zürich.
Mai: Über die Sowjetunion Ausreise in die USA, wo sich Brecht im Juli mit seiner Familie in Santa Monica, einem Stadtteil Hollywoods, niederläßt.
1943
4. Februar: Uraufführung des Parabelstücks Der gute Mensch von Sezuan in Zürich.
9. September: Uraufführung der 1. Fassung von Leben des Galilei in Zürich. Sohn Frank stirbt als Soldat im Krieg.
1944
Geburt des Sohnes Michel (Mutter Ruth Berlau), der aber nach wenigen Tagen stirbt. Arbeit an dem Stück Der kaukasische Kreidekreis.
1947
30. Juli: Uraufführung der 2. Fassung von Leben des Galilei in Los Angeles. Nach dem Verhör vor dem ›Committee on Unamerican Activities‹ in Washington Rückkehr nach Europa, vorerst in die Schweiz.
1948
5. Juni: Uraufführung des »Volksstücks« Herr Puntila und sein Knecht Matti in Zürich.
1949
Die Kalendergeschichten sowie die kritische Theaterschrift Kleines Organon für das Theater erscheinen. Übersiedlung nach Ostberlin. Gründung des Berliner Ensembles mit Brecht als künstlerischem Leiter.
1950
Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft. Mitglied in der neugegründeten Deutschen Akademie der Künste.
1953
Brecht wird zum Präsidenten des PEN-Zentrums Deutschland (Ost und West) gewählt.
1956
14. August: Brecht stirbt in Berlin.
