Der Kanon Die deutsche Literatur






Georg Büchner

Er war Naturwissenschaftler und Poet, Revolutionär und Melancholiker. Aber in seinem Hauptwerk, Danton’s Tod, wird die Revolution nicht besungen oder verherrlicht, sondern von einem kühlen und kritischen Beobachter mit Verwunderung betrachtet und mit Abscheu gezeigt. Die Figuren dieses Stücks und des Fragment gebliebenen Woyzeck sind leidende Kreaturen, die sich häufig nur in Gesprächsfetzen und in Bruchstücken von Monologen äußern. Mit Büchner beginnt das moderne deutsche Drama, denn seine Stücke führen zum Naturalismus und zum Expressionismus, zum epischen Theater ebenso wie zum Theater der Surrealisten, zu Hauptmann und Wedekind ebenso wie zu Horváth und Brecht.
MRR




Danton’s Tod (Band 5, Seite 549), Erstdruck: Frankfurt am Main 1835 [Fragmente erschienen im gleichen Jahr in: ›Phönix‹, Frankfurt am Main, März/April 1835]. Uraufführung: Berlin 5. Januar 1902.
Woyzeck (Band 5, Seite 629), Erstdruck in: ›Mehr Licht! Eine deutsche Wochenschrift für Literatur und Kunst‹, Berlin 1878, Nr. 1, 2, 3 [Fragmente erschienen zuvor in: ›Neue Freie Presse‹, Wien 5. und 23. November 1875]. Uraufführung: München 8. November 1913. Entstanden: 1836.



1813
17. Oktober: Karl Georg Büchner wird als Sohn des Amtschirurgen Ernst Büchner und seiner Frau Caroline, geb. Reuß, in Goddelau (Großherzogtum Hessen-Darmstadt) geboren.

1816
Die Familie siedelt nach Darmstadt über.

1821
Eintritt in die ›Privat-Erziehungs- und Unterrichtsanstalt‹ von Dr. Carl Weitershausen in Darmstadt.

1825
März: Wechsel an das Darmstädter Pädagog, ein humanistisches Gymnasium.

1828
Mai: Konfirmation in der Darmstädter Stadtkirche. Zusammen mit Klassenkameraden gründet Büchner einen literarischen Zirkel, in dem vor allem Shakespeare gelesen und die Tradition der Französischen Revolution gepflegt wird.

1831
Nach dem Abitur im November Immatrikulation an der Medizinischen Fakultät der Straßburger Académie. Er wohnt bei dem Pfarrer Johann Jakob Jaeglé.

1832
April: Heimliche Verlobung mit der Tochter seines Vermieters Wilhelmine Jaeglé.
August und Oktober: Aufenthalt in Darmstadt.

1833
Juni: Zusammen mit dem Verwandten Edouard Reuss, dem späteren Ägyptologen Richard Lepsius und drei weiteren Studenten unternimmt Büchner eine Wanderung durch die Vogesen.
August: Rückkehr nach Darmstadt.
Oktober: Wechsel an die Medizinische Fakultät der Großherzoglich- Hessischen Landesuniversität Gießen.

1834
Anfang des Jahres lernt Büchner in Butzbach den oppositionellen Rektor, Friedrich Ludwig Weidig, kennen.
März: Zusammen mit Weidig Entwurf der später als »Hessischer Landbote« betitelten politischen Flugschrift, die im Juli gedruckt wird.
April: Zusammen mit Becker gründet Büchner in Gießen die geheime revolutionäre ›Gesellschaft für Menschenrechte‹.
August: Gegen Büchner als mutmaßlichen Verfasser des »Hessischen Landboten« wird Haftbefehl erlassen. Verhör durch den Universitätsrichter, der Haftbefehl wird aus taktischen Gründen nicht vollzogen.
November: Druck der zweiten Auflage des »Hessischen Landboten«.

1835
Januar: Niederschrift des Dramas Danton’s Tod.
März: Flucht aus Darmstadt über Weißenburg nach Straßburg.
April: Danton’s Tod wird in der Zeitschrift ›Phönix‹ gedruckt.
Mai: Büchner beginnt mit den Arbeiten für eine Erzählung über den Sturm-und-Drang-Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz.
Juni: In Darmstädter und Frankfurter Zeitungen wird ein Steckbrief Büchners veröffentlicht.
Oktober: Büchners Übersetzungen der Dramen Lucretia Borgia und Marie Tudor erscheinen als Band 6 von Sauerländers Victor-Hugo-Ausgabe.
Dezember: Beginn der Untersuchungen über das Nervensystem der Barbe (Süßwasserfisch).

1836
April: Auf drei Sitzungen der Straßburger ›Société du Museum d’histoire naturelle‹ hält Büchner einen Vortrag in französischer Sprache über das Nervensystem der Flußbarbe. Abschluß der physiologischen Abhandlung u. d. T. »Mémoire sur le système nerveux du barbeau«.
Juni: Für einen Lustspielwettbewerb des Stuttgarter Cotta- Verlags arbeitet Büchner an der Komödie Leonce und Lena, die 1842 erscheint. Beginn der Arbeiten an dem Drama Woyzeck.
Juli: Wegen verspäteten Eintreffens wird Leonce und Lena vom Wettbewerb ausgeschlossen.
September: Aufgrund der eingereichten Abhandlung über das Nervensystem der Flußbarbe wird Büchner an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich promoviert.
Oktober: Übersiedlung nach Zürich.
November: Ernennung zum Privatdozenten. Provisorische Aufenthaltsgenehmigung für Zürich als Asylant.

1837
Januar: Erkrankung an Typhus.
Februar: Beginn der Delirien. Wilhelmine Jaeglé trifft in Zürich ein.
19. Februar: Büchner stirbt.
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