Der Kanon Die deutsche Literatur






Gotthold Ephraim Lessing

Der bedeutendste Repräsentant, Vollender und Überwinder der deutschen Aufklärung war Künstler und Denker in einem. Seine große Leidenschaft hieß Polemik, die er beherrschte wie kein Deutscher vor ihm und keiner nach ihm. Er liebte den Widerspruch, die Diskussion, den Streit. Alle seine Werke sind bahnbrechende Kampfschriften. Mit der Hamburgischen Dramaturgie war er der »Vater der deutschen Kritik« (so Adam Müller), und in der Abhandlung Laokoon zog er die Grenzen zwischen Malerei und Dichtung. Auch seine Dramen sind Kampfschriften. Das Fräulein von Barnhelm und der Major von Tellheim flirten miteinander und polemisieren gegeneinander. Emilia Galotti, der wütende Protest gegen die Fürsten, ist mittlerweile überholt, aber lebt nach wie vor dank herrlicher Rollen. Nathan der Weise, das Stück für die Toleranz gegen den Antisemitismus, ist leider immer noch nicht überholt.

MRR



 

Minna von Barnhelm (Band 1, Seite 9), Erstdruck in: Gotthold Ephraim Lessing, Lustspiele, Berlin 1767. Uraufführung: Hamburg 30. September 1767.
Emilia Galotti (Band 1, Seite 111), Erstdruck in: Gotthold Ephraim Lessing, Trauerspiele, Berlin 1772. Uraufführung: Braunschweig 13. März 1772.
Nathan der Weise (Band 1, Seite 193), Erstdruck: Berlin 1779. Uraufführung: Berlin 14. April 1783.


 

1729
22. Januar: Gotthold Ephraim Lessing wird als zweiter Sohn des Pfarrers Johann Gottfried Lessing und seiner Frau Justine Salome, geb. Feller, in Kamenz (Lausitz) geboren.

1741-1746
Besuch der Fürstenschule St. Afra in Meißen.

1746-1748
Studium der Theologie und Philologie an der Universität Leipzig.

1747
Erste Lustspiele, u. a. Der junge Gelehrte, entstehen. Arbeit als Übersetzer.

1748
Entschluß, als freier Schriftsteller zu arbeiten, was zu Auseinandersetzungen mit dem Vater führt. Umzug nach Berlin.
Buchbesprechungen und Theaterkritiken für die ›Berlinische Privilegierte Zeitung‹. Das Lustspiel Der Misogyn entsteht.

1749
Arbeit an den Lustspielen Die Juden und Der Freigeist.

1750
Gemeinsam mit seinem Vetter Christlob Mylius Herausgabe der Zeitschrift ›Beyträge zur Historie und Aufnahme des Theaters‹, die jedoch schon nach vier Heften ihr Erscheinen einstellen muß.

1751
Feuilletonredakteur der ›Berlinischen Privilegierten Zeitung‹ und Verfasser des dort erscheinenden »Gelehrten Artikels«; Begründung der Monatsbeilage »Das Neueste aus dem Reiche des Witzes«. Die Gedichtsammlung Kleinigkeiten erscheint. Übersiedlung nach Wittenberg.

1752
April: Promotion zum Magister der Freien Künste. Rückkehr nach Berlin.

1753
Die erste Ausgabe der gesammelten Schriften beginnt zu erscheinen (6 Bände, 1753-55).

1754
Beginn der Freundschaft mit Moses Mendelssohn.

1755
Das bürgerliche Trauerspiel Miß Sara Sampson erscheint in den Schriften (Uraufführung am 10. Juli 1755 in Frankfurt/ Oder).
Oktober: Rückkehr nach Leipzig.

1757-1758
Beiträge für die gemeinsam mit Christoph Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn gegründete Zeitschrift ›Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freien Künste‹.

1758
Mai: Rückkehr nach Berlin. Vorarbeiten für ein deutsches Wörterbuch, das jedoch nie vollendet wird.

1759
Hauptautor der von Nicolai herausgegebenen Zeitschrift ›Briefe, die neueste Literatur betreffend‹, hier erscheint u. a. Lessings berühmter »17. Literaturbrief« mit der Kritik an Johann Christoph Gottsched und dem Hinweis auf Shakespeare. Publikation der Fabeln. Drei Bücher. Nebst Abhandlungen mit dieser Dichtungsart verwandten Inhalts.

1760
Lessings Übersetzung von Denis Diderots Stücken erscheint u. d. T. Das Theater des Herrn Diderot.
November: Stellung als Gouvernementssekretär des preußischen Generalleutnants von Tauentzien in Breslau (bis 1765).

1764
Schwere Krankheit Lessings.

1765
Mai: Rückkehr nach Berlin.

1766
Reise nach Pyrmont und Bekanntschaft mit Justus Möser.
Mit Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie erscheint eine der wirkungsvollsten kunsttheoretischen Abhandlungen der deutschen Literatur.

1767
Dramaturg und Berater am neuen Hamburger Nationaltheater.
Die Hamburgische Dramaturgie, eine Sammlung von Theaterkritiken Lessings, beginnt zu erscheinen.
30. September: Uraufführung des Lustspiels Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück in Hamburg.

1769
Die Untersuchung Wie die Alten den Tod gebildet erscheint.

1770-1781
Herzoglicher Bibliothekar in Wolfenbüttel.

1771
Verlobung mit Eva König. Beginn der Mitgliedschaft in der Hamburger Freimaurerloge ›Zu den drei Rosen‹.

1772
13. März: Uraufführung des Trauerspiels Emilia Galotti in Braunschweig.

1773
Zur Geschichte und Literatur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel (6 Bände, 1773-81).

1774
Herausgabe der antidogmatischen, radikalaufklärerischen »Fragmente eines Ungenannten« von Reimarus.

1775
Als Begleiter des Prinzen Leopold von Braunschweig reist Lessing nach Italien.
Dezember: Rückkehr nach Wien.

1776
Lessing in Wolfenbüttel. Heirat mit Eva König.

1777
Dezember: Geburt eines Sohns, der nach 24 Stunden stirbt.

1778
Januar: Tod Eva Königs. Auseinandersetzung mit dem Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze über die »Fragmente eines Ungenannten«. Veröffentlichung einer Serie von Pamphleten gegen Goeze, darunter der Anti- Goeze.
6. Juli: Als Reaktion auf die Auseinandersetzung entzieht die braunschweigische Regierung Lessing die bislang gewährte Zensurfreiheit und untersagt die Fortsetzung des Streits. Der 1. Teil des Dialogs in fünf Gesprächen Ernst und Falk. Gespräche für Freymäurer erscheint anonym (der 2. Teil erscheint 1780).

1779
Nathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht erscheint (Uraufführung am 14. April 1783 in Berlin).

1780
Die geschichtsphilosophische Abhandlung Die Erziehung des Menschengeschlechts erscheint als vollständige Einzelausgabe (§ 1-53 zuvor erschienen in Zur Geschichte und Literatur 4, 1777).

1781
15. Februar: Lessing stirbt in Braunschweig.

1786
In Theatralischen Nachlaß erscheint das Fragment des Schauspiels D. Faust.


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