Der Kanon Die deutsche Literatur






Heiner Müller

Von Anfang an war er ein umstrittener Autor: In seiner Heimat, der DDR, gelobt und getadelt, privilegiert und schikaniert, in der Bundesrepublik als Kommunist bekämpft und als Klassiker gefeiert, galt er manchen als bedeutendster Dramatiker der Gegenwart. Er hat als Mitglied der SED vieles in der DDR beanstandet, ohne jedoch in seinem künstlerischen Werk Zweifel an der Utopie des Sozialismus erkennen zu lassen. Während zunächst im Vordergrund seiner von Brecht stark beeinflußten Arbeit zeitkritische, die DDR betreffende Stücke standen, befaßte er sich später vorwiegend mit aktualisierenden Neufassungen traditioneller, häufig antiker Stoffe, Mythen und Motive. Ob er bekämpft wurde oder nicht, geschätzt wurde er überall.

MRR

Der Auftrag (Band 8, Seite 505), Erstdruck: Der Auftrag. Der Bau. Herakles 5. Todesanzeige, herausgegeben von J. Fiebach, Berlin/DDR 1981. Uraufführung: Berlin/DDR 16. November 1980.

 


1929
9. Januar: Heiner Müller wird als Sohn des Verwaltungsangestellten Kurt Müller und seiner Frau Ella, geb. Ruhland, in Eppendorf/Sachsen geboren.


1935-1941
Schulbesuch in Bräunsdorf und Waren in Mecklenburg.

1944-1945
Einzug zum Reichsarbeitsdienst.

1945-1946
Mitarbeit beim Landratsamt Waren.

1947
Übersiedlung nach Frankenberg in Sachsen, wo er im folgenden Jahr Abitur macht und bis 1951 als Hilfsbibliothekar tätig ist.

1949
Teilnahme an einem Schriftstellerlehrgang in Radebeul bei Dresden.

1951
 Die Eltern fliehen in den Westen. Müller siedelt nach Ost-Berlin über, wo er für die Zeitschrift ›Sonntag‹ und ab 1953 auch für die Zeitschrift ›Neue Deutsche Literatur‹ Rezensionen schreibt. Heirat mit Rosemarie Fritzsche und Geburt der Tochter Regine.
 
1953
Scheidung der Ehe und erneute Heirat mit Rosemarie Fritzsche.
 
1954
Scheidung der Ehe und Heirat mit Ingeborg Schwenkner, mit der Müller seine ersten Stücke (Der Lohndrücker und Die Korrektur) schreibt, für die sie 1959 mit dem Heinrich- Mann-Preis der Akademie der Künste ausgezeichnet werden.

1958
Dramaturg am Maxim-Gorki-Theater in Berlin.

1961
30. September: Uraufführung der Komödie "Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande" (später in einer Neufassung u. d. T. Die Bauern) von der Studentenbühne der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst. In der Folge Ausschluß aus dem Schriftstellerverband.

1965
Das Stück Der Bau trifft beim 11. Plenum des ZK der SED auf Kritik und kann erst am 4. September 1980 an der Berlin Volksbühne uraufgeführt werden.

1966
Inge Müller begeht Selbstmord.

1967
Heirat mit der Bulgarin Ginka Tscholakowa.

1968
13. Juli: Uraufführung des Schauspiels Philoktetin München.

1970-1976
Dramaturg am Berliner Ensemble, anschließend bis 1982 an der Berliner Volksbühne.
 
1970
Das Stück Mauser entsteht und wird für Aufführungen in der DDR verboten. (Uraufführung im Dezember 1975 in Austin/Texas).
 
1972
Müller übersetzt und inszeniert Shakespeares Macbeth im Theater der Stadt Brandenburg.

1975
Erste USA-Reise. Vorträge an der University of Texas in Austin.

1978
20. April: Uraufführung des Schauspiels Germania Tod in Berlin in München.

1979
26. Januar: Uraufführung des Schauspiels "Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessing Schlaf Traum Schrei " in Frankfurt/Main.
30. Januar: Uraufführung des Stücks Die Hamletmaschine in Saint-Denis bei Paris.

1980
16. November: Uraufführung des Schauspiels Der Auftrag an der Berliner Volksbühne.

1982
7. April: Uraufführung des Stücks Quartett in Bochum.
 
1985
Verleihung des Georg-Büchner-Preises.

1986
Verleihung des Nationalpreises Erster Klasse der DDR. Scheidung der Ehe.

1990
Verleihung des Kleist-Preises.

1990-1993
Präsident der Akademie der Künste der DDR bis zu ihrer Auflösung.

1991
Verleihung des Europäischen Theaterpreises.

1992
Heirat mit Brigitte Maria Mayer. Die Autobiographie Krieg ohne Schlacht erscheint. Geburt der Tochter Anna.

1992-1995
Direktionsmitglied des Berliner Ensembles.

1993
Müller inszeniert Richard Wagners Oper Tristan und Isolde bei den Bayreuther Festspielen.

1995
Müller übernimmt die künstlerische Leitung des Berliner Ensembles.
30. Dezember: Heiner Müller stirbt in Berlin.


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