Der Kanon Die deutsche Literatur






Ferdinand Raimund

Man hat ihn als "naives Genie" bezeichnet, und in der Tat war er beides zugleich: naiv und genial. Man hat ihn dem Barock zugeschrieben, und falsch ist das nicht, doch war er ein Repräsentant eher des Rokoko und vor allem der Romantik. Und er schrieb nicht nur für das Volk, sondern auch über das Volk. Seine besten Stücke - zu ihnen gehören Der Verschwender und Alpenkönig und Menschenfeind - werden immer noch gespielt, auch außerhalb seiner österreichischen Heimat. Das mag verschiedene Ursachen haben, von denen die wichtigste die unvergleichliche poetische Qualität dieser Zauber- und Märchenspiele ist.

MRR


Der Alpenkönig und der Menschenfeind (Band 5, Seite 299), Erstdruck: Wien 1828. Uraufführung: Wien 17. Oktober 1828.

 

1790
1. Juni: Ferdinand Jakob Raimund (eig. Raimann) wird als letztes Kind des Kunstdrechslers Jakob Raimann und seiner Frau Katharina, geb. Merz, in der Wiener Vorstadt Mariahilf geboren.

1797
Eintritt in die Schule St. Anna.

1802
Tod der Mutter.

1804
Tod des Vaters. Raimunds volljährige Schwester Anna übernimmt die Erziehung. Abbruch des Schulbesuchs und Lehre bei einem Zuckerbäcker.

1808
Abbruch der Lehre. Raimund versucht, ein Engagement als Schauspieler zu erhalten.

1809
Engagements bei verschiedenen Wandertruppen in Preßburg, Raab und Ödenburg.

1814
Engagement am Wiener Theater in der Josefstadt, wo er vor allem klassische Rollen spielt (bis Juli 1817).

1815
März: Durchbruch als Schauspieler mit der Rolle des Adam Kratzerl in dem Stück Die Musikanten vom Hohen Markt des Wiener Lokalschriftstellers Joseph Alois Gleich.
August: Gastspiel am Theater in der Leopoldstadt.

1816
Sommer: Gastspiele im Theater in der Leopoldstadt.

1817
Gastspiele am Theater in der Leopoldstadt, an den Theatern in Hietzing und in Baden sowie am Theater an der Wien. Engagement am Theater in der Leopoldstadt.

1818
Liebesbeziehung zu der Schauspielerin Therese Grünthal, die in einer Tätlichkeit endet; Raimund wird zu drei Tagen Arrest verurteilt. Gastspiele am Theater in Baden.

1819
Freundschaft mit der Tochter eines Kaffeehausbesitzers, Antonie Wagner, die seinen Heiratsantrag ablehnt. Gastspiel am Badener Theater.

1820
Liebesbeziehung zu der ebenfalls am Theater in der Leopoldstadt engagierten Schauspielerin Luise Gleich, der Tochter von Joseph Alois Gleich.
April: Heirat mit Luise.
Oktober: Geburt der Tochter Amalia, die nach wenigen Wochen stirbt.

1821
Juli: Luise verläßt Raimund. Gastspiele in Baden und im Theater an der Wien. Raimund wird Regisseur am Theater in der Leopoldstadt. Erneute Beziehung zu Antonie Wagner.

1822
Ehescheidung.

1823
Gastspiele am Preßburger Theater und in Baden.
Herbst: Raimund verfaßt sein erstes Schauspiel, die Zauberposse Der Barometermacher auf der Zauberinsel.
18. Dezember: Das Stück wird im Theater in der Leopoldstadt mit Raimund in der Rolle des Bartholomäus Quecksilber uraufgeführt.

1824
Reise nach Graz und Mariazell. Gastspiele am Badener Theater.
17. Dezember: Uraufführung der Zauberposse Der Diamant des Geisterkönigs im Wiener Theater in der Leopoldstadt mit Raimund in der Rolle des Florian.

1825
Schwere Erkrankung Raimunds an einem Nervenleiden.

1826
Juli-August: Raimund bricht eine Reise nach Bayern wegen panischer Tollwutangst in Salzburg ab.
10. November: Uraufführung des "Originalzaubermärchens " Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär am Theater in der Leopoldstadt mit Raimund in der Rolle des Wurzel.

1828
8. Januar: Uraufführung des "Originalzaubermärchens" Die gefesselte Phantasie am Theater in der Leopoldstadt mit Raimund in der Rolle der Nachtigall.
April: Ernennung zum künstlerischen Direktor des Leopoldstädter Theaters.
17. Oktober: Uraufführung des "Originalzauberspiels" Der Alpenkönig und der Menschenfeind am Theater in der Leopoldstadt mit Raimund in der Rolle des Rappelkopf.

1830
Juli: Gastspiel in München, danach Rücktritt von der Direktion des Theaters in der Leopoldstadt. Raimund gastiert von nun an als Schauspieler an verschiedenen deutschen und österreichischen Bühnen, vor allem in eigenen Stücken. Raimund zieht mit Antonie Wagner zusammen.

1831
Februar: Reise nach München und Gastspiel am Münchener Hoftheater.
September: Gastspiel in Hamburg, das er aus Angst vor Cholera verläßt.
November: Gastspiel in München.

1832
April-Juni: Gastspiel in Berlin.
September-Oktober: Gastspiel in Hamburg.

1833
Januar-April: Gastspiel am Theater in der Josefstadt. Der Alpenkönig und der Menschenfeind wird zum hundersten Mal gespielt.

1834
Januar-April: Gastspiel am Theater in der Josefstadt.
September: Kauf eines Landhauses in Gutenstein.

1835
August: Gastspiel am Theater in der Leopoldstadt.

1836
Januar: Gastspiel am Theater in der Leopoldstadt.
Februar-März: Gastspiel in Prag.
April: Gastspiel in Hamburg.
30. August: Nach einem Hundebiß schießt sich Raimund aus Furcht vor Tollwut in einem Gasthof in Pottenstein in die Mundhöhle.
5. Dezember: Raimund stirbt.


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