Der Kanon Die deutsche Literatur






Frank Wedekind

Er war ein Bohemien, das Antibürgerliche war sein Element. In allen seinen Werken hat er die Gesellschaft seiner Zeit entlarvt, verspottet und angeklagt. Im Mittelpunkt seiner Dramen stehen Menschen, die versuchen, sich der Verlogenheit und Heuchelei ihrer Epoche zu widersetzen, und sich meist als deren Opfer erweisen. Er hatte einen untrüglichen Instinkt für die Möglichkeiten und die Wirkungen der Bühne. Vom Naturalismus wandte er sich ab, dem Expressionismus bahnte er den Weg und wurde so eine der zentralen Figuren des modernen Dramas.

MRR



Frühlings Erwachen (Band 6, Seite 517), Erstdruck: Zürich 1891. Uraufführung: Berlin 20. November 1906.



1864
24. Juli: Frank (eig. Benjamin Franklin) Wedekind wird als Sohn des Arztes Dr. Friedrich Wilhelm Wedekind und der Schauspielerin und Sängerin Emilie, geb. Kamerer, gesch. Schwegerle, mit amerikanischer Staatsbürgerschaft in Hannover geboren.

1872
Übersiedlung der Familie in die Schweiz, wo Wedekind auf dem Schloß Lenzburg (Kanton Aargau) aufwächst. Besuch der Gemeindeknabenschule.

1875
Besuch der Bezirksschule, ab 1879 des kantonalen Gymnasiums in Aarau, wo er im Frühjahr 1884 das Abitur besteht.

1884
Sommer: Übergangssemester mit dem Studium deutscher und französischer Literatur in Lausanne.
Wintersemester: Auf Wunsch des Vaters Jurastudium in München, das Wedekind aber zunehmend vernachlässigt.

1886
Streit mit dem Vater, der ihm jede finanzielle Unterstützung entzieht.

1887
Frühjahr: Feuilletonarbeiten für die ›Neue Zürcher Zeitung‹.
September: Brief an den Vater, in dem er um Verzeihung bittet und die Wiederaufnahme des Studiums verspricht.

1888
Oktober: Der Tod des Vaters entbindet ihn von seinem Versprechen. Das Erbteil ermöglicht die Arbeit als freier Schriftsteller.

1889
Mai: Versuch, sich in Berlin niederzulassen.
Juli: Übersiedlung nach München.

1890
Oktober: Arbeitsbeginn an dem Schauspiel Frühlings Erwachen, das er im Frühjahr 1891 abschließt.

1891
Mitglied in der ›Gesellschaft für modernes Leben‹. Verkehr im Zürcher literarischen Zirkel ›Das junge Deutschland‹.
Bekanntschaft u. a. mit Otto Julius Bierbaum, den Brüdern Carl und Gerhart Hauptmann.
August: Arbeit an der Komödie Der Liebestrank.
Oktober: Frühlings Erwachen erscheint.
Dezember: Reise nach Paris, wo Wedekind bis 1895 bleibt.

1894
Januar-Juni: Aufenthalt in London.

1895
Die Tragödie Der Erdgeist erscheint. Wedekind lebt von nun an abwechselnd in Berlin, München, Zürich, Dresden und Leipzig.

1896
Mitarbeit bei dem Satireblatt ›Simplicissimus‹.

1897
Die Prosa- und Lyriksammlung Die Fürstin Russalka erscheint.

1898
Oktober: Wegen »Majestätsbeleidigung« in dem im ›Simplicissimus‹ erschienenen Gedicht »Palästinafahrt« muß Wedekind in die Schweiz fliehen.

1899
Juni: Wedekind stellt sich den Polizeibehörden in Leipzig und wird zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt.
10. Dezember: Uraufführung des Einakters Der Kammersänger in Berlin.

1900
März: Entlassung aus der Haft und Rückkehr nach München.
28. September: Uraufführung der Komödie Der Liebestrank in Zürich.

1901
Mitarbeit beim neugegründeten Münchner Kabarett ›Die Elf Scharfrichter‹. Bekanntschaft u. a. mit Walther Rathenau, Alfred Kerr und Karl Kraus.
11. Oktober: Uraufführung des Schauspiels Der Marquis von Keith in Berlin. Geburt des Sohnes Frank (Mutter Hildegard Zellner, Hausmädchen Wedekinds). Das Romanfragment Mine-Haha oder Über die körperliche Erziehung der jungen Mädchen erscheint in der Zeitschrift ›Die Insel‹.

1902
22. Februar: Uraufführung des Dramas So ist das Leben in München.

1905
18. Februar: Uraufführung des Schauspiels Hidalla oder Sein und Haben in München. Der Einakter Totentanz erscheint in der Zeitschrift ›Die Fackel‹.

1906
Mai: Heirat mit der Schauspielerin Mathilde (Tilly) Newes.
20. November: Uraufführung von Frühlings Erwachen (unter der Regie von Max Reinhardt) in Berlin, die ein großer Erfolg wird.

1908
11. Januar: Uraufführung des Dramas Musik in Nürnberg.
Der Einakter Die Zensur erscheint.
September: Übersiedlung mit Familie von Berlin nach München. Die Komödie Oaha – Die Satire der Satire erscheint.

1911
August: Geburt der Tochter Kadidja.

1914
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs weigern sich zahlreiche Bühnen, Wedekinds Dramen zu spielen.
Ende des Jahres: Blinddarmoperation.

1915
April: Erneute Blinddarmoperation mit Komplikationen, Bruchgefahr besteht.

1917
Januar: Bruchoperation.
15. November: Uraufführung des Dramas Schloß Wetterstein in Zürich.

1918
2. März: Erneute Bruchoperation.
9. März: Wedekind stirbt in München.
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