Peter Weiss
Sein episches Werk führt von Lebenserinnerungen (Abschied von den Eltern und Fluchtpunkt) zu dem dreibändigen Roman Ästhetik des Widerstands, einer Art Wunschbiographie, die eine Auseinandersetzung mit der europäischen Linken in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts enthält. Eine starkes Echo fanden seine Theaterstücke, zumal Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats …, ein unterschiedliche Stilelemente verbindender Bilderbogen, der historisches Drama und Zeitstück in einem ist und in dessen Mittelpunkt der Konflikt zwischen dem Individualismus und dem politischen Engagement steht.
MRR
Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade (Band 8, Seite 265), Erstdruck: Frankfurt am Main 1964. Uraufführung: Berlin 29. April 1964.
1916
8. November: Peter Ulrich Weiss wird als erstes Kind des Textilfabrikanten Eugen Weiss und dessen Frau Frieda, geb. Hummel, in Nowawes bei Berlin geboren.
1918
Übersiedlung nach Bremen, wo Weiss die Volkschule und dann das Gymnasium besucht.
1929
Übersiedlung nach Berlin. Besuch des Gymnasiums und der Handelsschule.
1934
Aufgrund der jüdischen Herkunft des Vaters Emigration der Familie nach England; kurz vor der Abreise stirbt Weiss’ jüngste Schwester an den Folgen eines Autounfalls. In London besucht Weiss die Politechnic School of Photography.
1936
Zwei Besuche bei Hermann Hesse im Tessin. Übersiedlung nach Prag, wo Weiss zwei Jahre lang an der Kunstakademie Malerei studiert.
1939
Emigration nach Schweden, wo sich Weiss ab 1940 in Stockholm niederläßt und erfolglos versucht, sich als Maler zu etablieren. Gelegenheitsarbeiten.
1943/44
Heirat mit der Malerin Helga Henschen. Geburt der Tochter Randi Maria. Scheidung von Helga Henschen.
1946
Erhalt der schwedischen Staatsbürgerschaft.
1947
Weiss geht als Zeitungskorrespondent nach Berlin. Erste schriftstellerische Versuche in schwedischer Sprache, die nur begrenztes Echo finden.
1949
Heirat mit Carlota Dethorey, die bald wieder geschieden wird. Geburt des Sohnes Paul.
1952-1961
Weiss arbeitet als Filmkritiker und produziert selbst Experimental- und Dokumentarfilme.
1952
Beginn der Lebensgemeinschaft mit der Künstlerin Gunilla Palmstierna.
1960
Die (in deutscher Sprache verfaßte) Erzählung Der Schatten des Körpers des Kutschers erscheint.
1961
Die Erzählung Abschied von den Eltern erscheint.
1962
Der Roman Fluchtpunkt erscheint, für den Weiss im folgenden Jahr mit dem Schweizer Charles-Veillon-Preis ausgezeichnet wird.
1964
Heirat mit Gunilla Palmstierna.
29. April: Uraufführung des Dramas Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade in Berlin, das zu einem internationalen Erfolg wird.
1965
19. Oktober: Uraufführung der szenischen Darstellung des Frankfurter Auschwitz-Prozesses Die Ermittlung in Ost- und Westberlin und dreizehn weiteren Bühnen in der Bundesrepublik und der DDR. Verleihung des Lessing-Preises der Stadt Hamburg und des Preises des Stockholmer Kultursenats.
1966
Verleihung des Heinrich-Mann-Preises der Deutschen Akademie der Künste, Berlin/DDR.
1967
20. Februar: Uraufführung des Stücks mit Musik Gesang vom Lusitanischen Popanz in Stockholm.
1970
20. Januar: Uraufführung des Stücks Trotzki im Exil in Düsseldorf.
1972
Geburt der Tochter Nadja.
1975
Der erste Band des Romans Die Ästhetik des Widerstands erscheint (Band 2 erscheint 1978, Band 3 1981).
1980
Ausstellung »Der Maler Peter Weiss« im Museum Bochum.
1981
Die tagebuchartigen Notizbücher 1971-1980 erscheinen (die Notizbücher 1961-1970 erscheinen ein Jahr später).
Verleihung des Literaturpreises der Stadt Köln.
1982
12 März: Uraufführung des Stücks Der neue Prozeß in Stockholm, das Weiss selbst inszeniert.
10. Mai: Weiss stirbt in Stockholm und wird postum mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
