Der Kanon Die deutsche Literatur






Ilse Aichinger

Ihr poetisches Talent kam am deutlichsten zum Vorschein in ihren Geschichten, den frühen zumal, und in zarten, geheimnisvollen und oft auch schwierigen Gedichten. Zwischen Traum und Wirklichkeit schwankend, gelingt es ihr häufig, beide Welten eindrucksvoll miteinander zu verbinden und zu verschmelzen. Meist ist ihre originelle Prosa symbolisch überhöht, meist dominiert das Gleichnishafte.
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Ilse Aichinger wurde am 1. November 1921 in Wien geboren, lebt dort.
Dienstverpflichtung im Zweiten Weltkrieg. Ab 1945 Medizinstudium für fünf Semester. 1949/50 Lektorin beim Verlag S. Fischer in Wien. Ab 1951 Mitglied der ›Gruppe 47‹. 1953 Heirat mit Günter Eich. Ab 1956 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. 1963 Übersiedlung nach Großgmain bei Salzburg. 1984 Übersiedlung nach Frankfurt am Main. Ab 1988 ständiger Wohnsitz in Wien.

Spiegelgeschichte, Erstdruck in: Merkur, Stuttgart/Baden-Baden 1952.

Weitere wichtige Werke (neben der Lyrik): Die größere Hoffnung R. 1948 - Der Gefesselte En. 1953 - Besuch im Pfarrhaus H. u. Dial. 1961 - Wo ich wohne En., Dial., G. 1963 - Schlechte Wörter En. 1976 - Meine Sprache und ich En. 1978.

 

Jurek Becker

Sein Werk behandelt zwei Themen, die sich aus seiner Biographie ergeben: Das Schicksal der Juden während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit sowie der Kulturbetrieb und die Rolle der Intellektuellen in der DDR. Aber was immer er geschrieben hat - von Romanen bis zu Fernsehspielen -, man spürt stets den geborenen Geschichtenerzähler und den Humoristen ostjüdischer Prägung. Das gilt vor allem für den Roman Jakob der Lügner, der leicht und souverän vom Leben und Tod im Ghetto einer polnischen Kleinstadt erzählt.
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Jurek Becker wurde am 30. September 1937 im polnischen Lodz geboren und starb am 14. März 1997 in Berlin.
Kindheit im Ghetto von Lodz und in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen. 1957-60 Philosophiestudium in Ost-Berlin. 1960 Studium an der Filmhochschule Babelsberg. Ab 1962 freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Ostberlin. 1976 nach Mitinitiation der Petition gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann Ausschluß aus der SED und dem Schriftstellerverband. 1977 nach Erhalt eines Reisevisums sechsmonatiger USA-Aufenthalt, danach Übersiedlung nach West-Berlin. 1986 Drehbuchautor für die Fernsehserie Liebling Kreuzberg. 1989 Gastdozent für Poetik an der Universität in Frankfurt am Main.

Die beliebteste Familiengeschichte, Erstdruck in: Nach der ersten Zukunft, Frankfurt am Main 1980.

Weitere wichtige Werke: Jakob der Lügner R. 1970 - Der Boxer R. 1976 - Bronsteins Kinder R. 1986 - Ostwestberlin Prosa 1987 - Amanda herzlos R. 1992.

 

Gottfried Benn

Das Werk dieses Lyrikers, Novellisten und Essayisten zeugt sowohl von einem starken poetischen Talent als auch vom bürgerlichen Beruf des Autors: Die Medizin bestimmte in hohem Maße seine Weltsicht, zumal im bedeutenden Frühwerk, das von Visionen der Krankheit, des Verfalls und der Verwesung beherrscht wird und in dem oft die medizinische Terminologie auffällt. Man hielt ihn für einen Zyniker, man warf ihm Nihilismus vor. Doch hinter seinem Gestus verbarg sich, zumal in melodischen, formvollendeten Gedichten, die Sehnsucht nach Liebe.
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Gottfried Benn wurde am 2. Mai 1886 in Mansfeld bei Westpriegnitz geboren und starb am 7. Juli 1956 in Berlin.
Studium der Philologie und Theologie in Marburg, dann Medizin in Berlin. Militärarzt in beiden Weltkriegen. Ab 1918 Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Berlin. 1932 Berufung an die Preußische Akademie der Künste. 1938 Heirat mit Herta von Wedemeyer. Bekanntschaft mit Carl und Thea Sternheim, Oskar Loerke, später mit Ernst Jünger, Max Bense u. a.

Gehirne, Erstdruck in: Die weißen Blätter, Jg. 2, H. 2 u. 8; Jg. 3, H. 6., Berlin 1915/16.

Weitere wichtige Werke: Morgue G. 1912 - Fleisch G. 1917 - Das moderne Ich Ess. 1919 - Nach dem Nihilismus Ess. 1932 - Statische Gedichte 1948 - Trunkene Flut G. 1949 - Der Ptolemäer En. 1949 - Probleme der Lyrik Es. 1951 - Aprèslude G. 1955

 

Thomas Bernhard

Seine Romane, Geschichten und Dramen sind Berichte eines Leidtragenden, Konfessionen eines Besessenen. Seine bohrende Teilnahme galt den Gefährdeten und den Verlorenen, den Menschen, die vom Sog der Abgründe erfaßt werden. Er protestierte gegen seine Umwelt und damit gegen die Welt schlechthin, er empörte sich gegen das menschliche Dasein. Dieses Werk ist eine fortwährende Meuterei, eine endlose Rebellion. Die Grundelemente seiner Prosa sind die Litanei und das Lamento, die komische Litanei, das heitere Lamento.
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Thomas Bernhard wurde am 9. Februar 1931 im Klosterspital Heerlen bei Maastricht geboren und starb am 12. Februar 1989 in Gmunden in Oberösterreich.
Ab 1945 in Salzburg. Kaufmännische Ausbildung. 1949-51 Aufenthalt in der Lungenheilstätte Grafenhof. 1951-54 Musikstudium in Salzburg und Wien. Gerichtsreporter beim ›Demokratischen Volksblatt‹. 1955-57 Studium der Regie und Dramaturgie in Salzburg. 1970 Georg-Büchner-Preis.

Die Mütze, Erstdruck in: Prosa, Frankfurt am Main 1967.
Wittgensteins Neffe, Erstdruck: Frankfurt am Main 1982.

Weitere wichtige Werke (neben der Lyrik): Frost R. 1963 - Amras E. 1964 - Verstörung R. 1967 - Watten E. 1969 - Ein Fest für Boris Dr. 1970 - Die Jagdgesellschaft Dr. 1973 - Die Macht der Gewohnheit Dr. 1974 - Der Kulterer E. 1974 - Der Stimmenimitator En. 1978 - Über allen Gipfeln ist Ruh Dr. 1981 - Beton E. 1982 - Der Untergeher R. 1983 - Der Theatermacher Dr. 1984 - Holzfällen R. 1984 - Ritter, Dene, Voss Dr. 1984 - Auslöschung R. 1986.

 

Peter Bichsel

Seinen frühen Erfolg und seinen Ruhm verdankte dieser Autor Prosaminiaturen, die er mit der Anmut der Natürlichkeit erzählte. Es sind Zustandsschilderungen aus dem Alltag der kleinen Leute. Doch in diesen Schilderungen verbergen sich Geschichten von Schwermut und Mitleid.
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Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren, lebt in Bellach bei Solothurn.
1951 Eintritt in das Lehrerseminar in Solothurn. 1955-68 Volksschullehrer in Zuchwil im Kanton Solothurn. 1966 Reise in die USA. 1968 Übersiedlung nach Bellach bei Solothurn. 1969 Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Zürich. 1977 Reise nach Neuseeland und Australien. 1980 Poetiklehrer an der Gesamthochschule Essen. 1982 Gastdozent für Poetik an der Universität in Frankfurt am Main. 1985 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Ab 1987 Gastprofessor an verschiedenen amerikanischen Universitäten.

Die Männer, Sein Abend, Erstdruck in: Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen, Olten 1964.
Der Mann mit dem Gedächtnis, Erstdruck: Berlin/Neuwied 1969.

Weitere wichtige Werke: Der Busant En. 1998 - Cherubin Hammer und Cherubin Hammer E. 1999 - Doktor Schleyers isabellenfarbige Winterschule Kolumn. 2003.

 

Ernst Bloch

Er war wie nur wenige der großen deutschen Denker beides in einem: ein Philosoph, dessen Werke von hoher literarischer Qualität sind, und ein Erzähler, dessen Parabeln und Geschichten Beiträge zu seiner Philosophie sind.
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Ernst Bloch wurde am 18. Juli 1885 in Ludwigshafen geboren und starb am 4. August 1977 in Tübingen.
Bis 1908 Studium der Philosophie, Physik, Germanistik und Musik in München und Würzburg. 1911-15 in Heidelberg. Freundschaft mit Georg Lukács. 1917-19 in der Schweiz. In den zwanziger Jahren Feuilletonist in Berlin. Freundschaft u. a. mit Walter Benjamin, Siegfried Kracauer, Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht. 1933-38 Emigration über die Schweiz, Österreich, Frankreich, Tschechoslowakei in die USA. 1949-56 Lehrstuhl für Philosophie in Leipzig. 1961 nach dem Bau der Berliner Mauer Professur in Tübingen.

Fall ins Jetzt, erste Buchausgabe: Spuren, Berlin 1930.

Weitere wichtige Werke: Geist der Utopie Schr. 1923 - Das Prinzip Hoffnung Schr. 1959 - Naturrecht und menschliche Würde Schr. 1961 - Erbschaft dieser Zeit Schr. 1962 - Atheismus im Christentum Schr. 1968 - Tübinger Einleitung in die Philosophie Schr. 1970.

 

Heinrich Böll

Seine Romane und Geschichten, die zunächst während des Zweiten Weltkriegs spielen und dann in der Bundesrepublik, handeln vom Schicksal der Opfer, der kleinen Leute, jener, die getreten und getrieben werden. Aber er zeigt nicht, wie die Menschen den Krieg machen, sondern was der Krieg aus den Menschen macht. Auch in der Nachkriegszeit bleibt der Blick dieses Erzählers auf die Erniedrigten und Beleidigten gerichtet. Als neues Thema kommt die satirische Kritik des Kulturbetriebs hinzu, zumal in der Erzählung Doktor Murkes gesammeltes Schweigen.
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Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren und starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich.
1937 Buchhandelslehre. 1939-45 Soldat und in amerikanischer Gefangenschaft. 1945 Germanistikstudium in Köln. Arbeitete als Hilfsschreiner und Behördenangestellter. Ab 1951 freier Schriftsteller in Köln. 1955 Reise nach Irland. 1964 Gastdozent für Poetik an der Universität in Frankfurt am Main. 1967 Georg-Büchner-Preis. Reisen nach Prag und Israel. 1970 Literaturnobelpreis.

Der Mann mit den Messern, Erstdruck in: Das Karussell, Jg. 3, Kassel 1948.
Wiedersehen in der Allee, Erstdruck: Köln 1948.
Wanderer, kommst du nach Spa..., Erstdruck: Opladen 1950.
Doktor Murkes gesammeltes Schweigen, Erstdruck: Köln 1958.

Weitere wichtige Werke: Und sagte kein einziges Wort R. 1953 - Haus ohne Hüter R. 1954 - Das Brot der frühen Jahre E. 1955 - Im Tal der donnernden Hufe E. 1957 - Billard um halbzehn R. 1959 - Als der Krieg ausbrach. Als der Krieg zu Ende war En. 1962 - Ansichten eines Clowns R. 1963 - Ende einer Dienstfahrt R. 1966 - Gruppenbild mit Dame R. 1971 - Die verlorene Ehre der Katharina Blum E. 1974 - Frauen vor Flußlandschaft R. 1985.

 

Wolfgang Borchert

Er wurde von dem im ›Dritten Reich‹ verpönten und verbotenen Expressionismus geprägt. Das gilt vor allem für sein Hauptwerk, das Drama Draußen vor der Tür. Dieses Heimkehrerstück ist Schrei und Aufschrei, Klage und Anklage in einem, es ist Ausdruck der Verzweiflung der vom Vaterland betrogenen, vom Krieg gemarterten und von der Nachkriegsgesellschaft ausgeschlossenen Generation. Neben diesem in seiner Zeit zu Recht außerordentlich erfolgreichen Stück sind auch die zeitkritischen Kurzgeschichten, lapidar und symbolträchtig, beachtlich und in hohem Maße zeittypisch.
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Wolfgang Borchert wurde am 20. Mai 1921 in Hamburg geboren und starb am 20. November 1947 in Basel.
Buchhandelslehrling und Schauspieler in Lüneburg. 1941/42 Soldat. 1942 wegen unbedachter Äußerungen Gefängnishaft bei Androhung der Todesstrafe. 1943 wegen Krankheit entlassen. 1944 Kabarettist in Hamburg. Erneute Verhaftung und Verurteilung wegen einer Goebbels-Persiflage. 1945 »Frontbewährung«. Gefangennahme durch die französischen Armee, mit anschließender Flucht nach Hamburg. Regieassistent am Hamburger Schauspielhaus, Kabarettleiter.

Das Brot, Erstdruck in: Hamburger Freie Presse, 1946.

Weitere wichtige Werke: An diesem Dienstag En. 1947 - Die Hundeblume En. 1947 - Draußen vor der Tür H. u. Dr. 1947.

 

Bertolt Brecht

Er wurde, was ihm schon in seiner Jugend als Aufgabe und Ziel vorschwebte: ein Klassiker. Er hat das Jahrhundert in die Schranken gefordert - mit einem unvergleichlichen dramatischen Werk, das vom Expressionismus über die Dreigroschenoper, die Oper Mahagonny und die Lehrstücke zu großen ideologischen Stücken des Exils und seiner Spätzeit führt. Den Bühnenwerken verdankte er seinen Weltruhm. Doch zugleich war er ein genialer Lyriker. Den Lesern, die den Rilkeschen Rhythmus im Blute hatten und die Georgesche Melodie im Ohr, vermochte er zu beweisen, daß die Synthese von Dichtung und Intellekt nicht nur nötig, sondern auch möglich sei, daß also der Gesang vernünftig und die Vernunft poetisch sein kann.
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Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren und starb am 14. August 1956 in Berlin.
1917 Studium in München. 1918 Sanitätssoldat im Militärlazarett. 1920 Dramaturg der Münchner Kammerspiele. 1922 Kleistpreis. Heirat mit Marianne Zoff. 1924 Übersiedlung nach Berlin. Arbeitskollege von Carl Zuckmayer am Deutschen Theater. 1927 Scheidung der Ehe. 1929 Heirat mit Helene Weigel. 1928/29 Besuch der Marxistischen Arbeiterschule. 1933 Flucht über Wien, die Schweiz und Frankreich nach Dänemark. 1934-39 Gedichte für den Deutschen Freiheitssender. 1936-39 Mitherausgeber der Emigrantenzeitschrift ›Das Wort‹ mit Lion Feuchtwanger u. a. Ab 1940 Flucht über Schweden, Finnland, Rußland nach Kalifornien, USA. 1947 Rückkehr nach Europa. Ab 1948 in Ost-Berlin. 1949 zusammen mit Helene Weigel Gründung des ›Berliner Ensembles‹.

Der Augsburger Kreidekreis, Erstdruck in: Internationale Literatur, H. 6, Moskau 1941.
Der verwundete Sokrates, Die unwürdige Greisin, erste Buchausgabe: Kalendergeschichten, Berlin 1949.

Weitere wichtige Werke (neben der Lyrik): Baal Dr. 1922 - Trommeln in der Nacht Dr. 1922- Dreigroschenoper Op. 1929 - Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny Op. 1929 - Die heilige Johanna der Schlachthöfe Dr. 1932 - Dreigroschenroman 1934 - Die Gewehre der Frau Carrar Dr. 1937 - Furcht und Elend des Dritten Reiches Dr. 1945 - Kalendergeschichten 1949 - Mutter Courage und ihre Kinder Dr. 1949 - Herr Puntila und sein Knecht Matti Dr. 1950 - Der gute Mensch von Sezuan Dr. 1953 - Der kaukasische Kreidekreis Dr. 1954 - Leben des Galilei Dr. 1955 - Geschichten vom Herrn Keuner En. 1958 - Flüchtlingsgespräche Dial. 1961.

 

Clemens Brentano

Er sei, wurde gesagt, ein geborener Geschichten- und Märchenerzähler. Das trifft die wesentlichste Eigenschaft dieses ungewöhnlich vielseitigen Romantikers. Er war sinnlich und schwermütig, heiter und tiefernst, witzig und weise. Im Vordergrund seines umfangreichen Werks stehen die Lieder und Gedichte von der Liebe, der herrlichen und der schrecklichen, und von der Sexualität, der beglückenden und der gefährlichen.
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Clemens Brentano wurde am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein geboren und starb am 28. Juli 1842 in Aschaffenburg.
Bruder von Bettine von Arnim. 1798-1800 im Kreis der Jenaer Frühromantiker. Begegnung u. a. mit Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schlegel. Freundschaft mit Achim von Arnim. 1803 Heirat mit Sophie Mereau. Ab 1804 in Heidelberg. Mitarbeit an Achim von Arnims ›Zeitung für Einsiedler‹. 1808-18 in Berlin, wo er mit Heinrich von Kleist und Joseph von Eichendorff zusammentraf. 1819-24 Aufzeichnung und freie literarische Bearbeitung der Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick in Dülmen.

Die Schachtel mit der Friedenspuppe. Eine Erzählung, Erstdruck in: Friedensblatt. Eine Zeitschrift für Leben, Literatur und Kunst, 2. Jg., Wien 1815.
Die Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl, Erstdruck in: Gaben der Milde, hg. v. F. W. Gubitz, Berlin 1817.

Weitere wichtige Werke: Godwi R. 1801 - Ponce de Leon Dr. 1804 - Des Knaben Wunderhorn (mit Achim von Arnim) (Hg.) 1806-08 - Italienische Märchen 1826 - Gockel, Hinkel, Gakeleja M. 1838 - Die Rheinmärchen 1846 - Gedichte 1854 - Romanzen vom Rosenkranz 1852.

 

Martin Buber

Der jüdische Sozialphilosoph und Religionswissenschaftler behandelte in seinen sprachgewaltigen Erzählungen ostjüdische mystische Motive, zumal aus der Welt des Chassidismus.
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Martin Buber wurde am 8. Februar 1878 in Wien geboren und starb am 13. Juni 1965 in Jerusalem.
Ab 1896 Studium der Philosophie, Psychiatrie und Germanistik in Wien, Leipzig, Berlin und Zürich. 1898 Gründung eines Vereins für jüdische Studenten in Leipzig. 1899 Heirat mit Paula Winkler. Teilnahme als Delegierter am 3. Zionistenkongreß in Basel. Redakteur der Zeitschrift ›Die Welt‹. 1902 Mitbegründer des Jüdischen Verlags. 1906 Herausgeber der Schriftenreihe ›Die Gesellschaft‹. 1916 Übersiedlung nach Heppenheim. 1916-24 Leitung der Zeitschrift ›Der Jude‹. Ab 1919 Lehrtätigkeit u. a. an der Akademie der Arbeit und der Universität in Frankfurt am Main. 1938 Emigration nach Jerusalem, dort Professor für Sozialpsychologie. 1953 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Abraham und Lot, Erstdruck in: Die Erhebung. Jahrbuch für neue Dichtung und Wertung, hg. v. Alfred Wolfenstein, Berlin o. J.

Weitere wichtige Werke: Ich und Du Schr. 1923 - Gog und Magog. Eine Chronik 1943 - Die Erzählungen der Chassidim 1949.

 

Georg Büchner

Er war Naturwissenschaftler und Poet, Revolutionär und Melancholiker. Aber in seinem Hauptwerk, Dantons Tod, wird die Revolution nicht besungen oder verherrlicht, sondern von einem kühlen und kritischen Beobachter mit Verwunderung betrachtet und mit Abscheu gezeigt. Die Figuren dieses Stücks und des fragmentarisch gebliebenen Woyzeck sind leidende Kreaturen, die sich häufig nur in Gesprächsfetzen und in Bruchstücken von Monologen äußern. Mit Büchner beginnt das moderne deutsche Drama, denn seine Stücke führen zum Naturalismus und zum Expressionismus, zum epischen Theater ebenso wie zum Theater der Surrealisten, zu Hauptmann und Wedekind ebenso wie zu Horváth und Brecht.
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Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt geboren und starb am 19. Februar 1837 in Zürich.
Ab 1831 Studium der Medizin und Naturwissenschaften in Straßburg, 1833 auch Geschichte und Philosophie in Gießen. 1834 Gründung der geheimen ›Gesellschaft für Menschenrechte‹. Verfaßte zusammen mit Ludwig Weidig den Hessischen Landboten. 1834 Übersiedlung nach Darmstadt. 1835 Flucht nach Straßburg. 1836 Habilitation zum Privatdozenten für vergleichende Anatomie in Zürich.

Lenz, Erstdruck in: Telegraph für Deutschland, Hamburg 1839.

Weitere wichtige Werke: Der Hessische Landbote Flugschr. 1834 - Dantons Tod Dr. 1835 - Leonce und Lena Dr. entstanden 1836 - Woyzeck Dr.-Fragm. entstanden 1836/37.

 

Hermann Burger

Die Helden seiner Romane und Erzählungen sind Sorgenkinder des Lebens, Sonderlinge und Außenseiter der Gesellschaft, die, verurteilt zu einem monologischen Dasein, in einem isolierten Bereich agieren. Ob sie die Hilfe der Medizin in Anspruch nehmen oder auch nicht - sie sind allesamt Leidende, also Patienten.
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Hermann Burger wurde am 10. Juli 1942 in Burg in der Schweiz geboren und starb am 28. Februar 1989 in Brunegg.
Erst Architekturstudium, dann Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Pädagogik. 1975 Privatdozent für deutsche Literatur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich.

Der Orchesterdiener, Erstdruck in: Neue Rundschau, H. 2, Frankfurt am Main 1978.

Weitere wichtige Werke: Rauchsignale G. 1967 - Schilten R. 1976 - Die künstliche Mutter R. 1982.

 

Fotos: Nikolaus Becker (Jurek Becker), Yvonne Böhler (Peter Bichsel), Gerda Goedhart (Bertolt Brecht), Anna Maria Jokl (Martin Buber), Andrej Reiser (Thomas Bernhard)
Weitere Nachweise über das Bildarchiv des Suhrkamp Verlags.


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