Der Kanon Die deutsche Literatur






Elias Canetti

Als Hauptwerk des Erzählers und Essayisten gilt der frühe Roman Die Blendung, eine ambitionierte Parabel vom Scheitern des Intellektuellen im zwanzigsten Jahrhundert. Sein dreibändiges autobiographisches Werk enthält eine Fülle plastischer Genrebilder, farbiger Milieuschilderungen und gleichnishafter Szenen und bietet schließlich eine Art Privatmythologie. Die in mehreren Bänden enthaltenen, geistreichen und oft verblüffenden Aufzeichnungen, Aphorismen, Gedankensplitter und Reflexionen dienen vorwiegend dem Selbstverständnis des Autors und dessen Begründung.
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Elias Canetti wurde am 25. Juli 1905 in Rustschuk in Bulgarien geboren und starb am 14. August 1994 in Zürich.
1924-29 Chemiestudium in Wien. 1934 Heirat mit Veza Taubner-Calderon. 1938 Emigration über Paris nach London. 1963 Tod der Ehefrau. 1971 Heirat mit Hera Buscher. 1972 Georg-Büchner-Preis. 1981 Literaturnobelpreis.

Die Verleumdung, Die Lust des Esels, Erstdruck in: Die Stimmen von Marrakesch, München/Wien 1968.

Weitere wichtige Werke: Die Blendung R. 1936 - Komödie der Eitelkeit Dr. 1950 - Masse und Macht Schr. 1960 - Macht und Überleben Ess. 1972 - Der Ohrenzeuge Ess. 1974 - Das Gewissen der Worte Ess. 1975 - Die gerettete Zunge Aut. 1977 - Die Fackel im Ohr Aut. 1980.

 

Adelbert von Chamisso

Er war ein Franzose, wurde ein Deutscher und blieb in Deutschland trotz großer literarischer Erfolge (sowohl als Erzähler wie als Lyriker) ein Außenseiter und Ausgeschlossener. Sein Hauptwerk, die Erzählung Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte, die tragische mit komischen Elementen verbindet, behandelt die Probleme seines Lebens - die Einsamkeit und die Identität.
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Adelbert von (eig. Louis Charles Adelaide de) Chamisso wurde am 30. Januar 1781 auf Schloß Boncourt in der Champagne geboren und starb am 21. August 1838 in Berlin.
1790 Flucht mit den Eltern vor der Revolution u. a. nach Lüttich, Den Haag, schließlich 1796 nach Berlin. 1798 Fähnrich. 1801 Leutnant. 1804-06 Mitherausgeber des ›Grünen Musenalmanachs‹. 1810 Bekanntschaft mit Ludwig Uhland und durch August Wilhelm Schlegel mit Madame de Staël. 1812-15 Botanik- und Medizinstudium in Berlin. 1815-18 Weltreise mit der russischen Expedition ›Rurik‹. 1819 Adjunkt und später Kustos beim Botanischen Garten in Berlin. 1832-39 gemeinsam mit Gustav Schwab Herausgeber des ›Deutschen Musenalmanachs‹.

Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte, Erstdruck: Nürnberg 1814.

Weitere wichtige Werke: Gedichte 1837 - Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungsreise Ber. 1821.

 

Alfred Döblin

Stets glaubte er, seine Freunde brüskieren, seine Leser verärgern, seine Verleger schockieren und seine Kritiker verletzen zu müssen. Ob er es wollte oder nicht, er mußte sein ganzes Leben lang an dem Ast sägen, auf dem er saß. Eigensinnig und selbstvergessen suchte er seinen Weg, ein wahrer Amokläufer unter den Schriftstellern des zwanzigsten Jahrhunderts. In seinem Hauptwerk, Berlin Alexanderplatz, stellte er die Stadt dar, von der er geprägt wurde, und er erzählte von den Menschen, die seine Patienten waren. Dieser Roman läßt ihn als Jahrhundertgenie erkennen.
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Alfred Döblin wurde am 10. August 1878 in Stettin geboren und starb am 26. Juni 1957 in Emmendingen bei Freiburg im Breisgau.
1888 Übersiedlung nach Berlin und Studium der Medizin. 1910 Mitbegründer der Expressionistenzeitschrift ›Der Sturm‹. Ab 1911 Arzt für Nervenkrankheiten in Berlin. 1924 Reise nach Polen. 1933 Flucht über Zürich nach Paris. Bei Kriegsausbruch Mitglied des französischen Informationsministeriums. 1940 Flucht über Südfrankreich, Spanien, Portugal nach New York. Reise nach Mexiko. 1945 Chef des literarischen Büros der ›Diréction de l’Éducation publique‹ in Baden-Baden. 1946-51 Herausgeber der Literaturzeitschrift ›Das goldene Tor‹. 1949 Mitbegründer der Mainzer Akademie. 1951 Rückkehr nach Paris. Ab 1956 in Sanatorien bei Freiburg im Breisgau.

Die Ermordung einer Butterblume, Erstdruck in: Der Sturm, Nr. 28/29, Berlin 1910.

Weitere wichtige Werke: Die drei Sprünge des Wang-lun R. 1915 - Berge, Meere und Giganten R. 1924 - Berlin Alexanderplatz R. 1929 - November 1918 R.-Tetralogie 1939-50 - Hamlet R. 1956.

 

Heimito von Doderer

Aus seinem umfangreichen epischen Werk ragen zwei weit ausgreifende Romane hervor: Die Strudlhofstiege und Die Dämonen. In beiden wird ein österreichisches Zeitpanorama entworfen, das, glänzend komponiert und äußerst anschaulich, von Psychologie und Fabulierkunst zeugt und auch immer wieder von einem teils versöhnlichen, teils aggressiven Humor. Seine Epik, zumal aus den fünfziger und sechziger Jahren, bewies, daß spannend erzählte Romane immer noch möglich waren.
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Heimito von Doderer wurde am 5. September 1896 in Weidlingau bei Wien geboren und starb am 23. Dezember 1966 in Wien.
1914 Jurastudium in Wien. Offizier im Ersten Weltkrieg. 1916-20 in russischer Kriegsgefangenschaft. 1921-25 Studium der Geschichtswissenschaft in Wien. Im Zweiten Weltkrieg Luftwaffenhauptmann. Ab 1946 freier Schriftsteller und Verlagslektor in Wien und Landshut. Vortragsreisen durch England und Frankreich.

Acht Wutanfälle, Erstdruck nicht zu ermitteln, verstreut publiziert.

Weitere wichtige Werke: Ein Mord, den jeder begeht R. 1938 - Die Strudlhofstiege R. 1951 - Die Dämonen R. 1956 - Die Posaunen von Jericho E. 1958 - Die Merowinger R. 1962.

 

Annette von Droste-Hülshoff

Zart und zierlich sind die Gedichte der ersten bedeutenden deutschen Poetin mit Sicherheit nicht, sie sind eher herb und düster, schwermütig und eigenwillig. Sie ist fasziniert von der Natur, doch nicht der freundlichen, sondern der dämonischen und drohenden, die häufig die Fragwürdigkeit und Gefährdung des Individuums ohne Glauben symbolisiert. Die Natur ist auch gleichsam die Richterin in der zu Recht berühmten Novelle Die Judenbuche, in der die epische Kraft der Lyrikerin besonders deutlich wird.
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Annette von Droste-Hülshoff wurde am 10. Januar 1797 auf Schloß Hülshoff bei Münster geboren und starb am 24. Mai 1848 in Meersburg am Bodensee.
1825 Rheinreise. Bekanntschaft u. a. mit August Wilhelm Schlegel. 1826 Übersiedlung nach Rüschhaus bei Münster. 1835 Reise in die Schweiz. Lebte 1841-44 zumeist am Bodensee im Schloß des Schwagers, der Meersburg. Begegnung dort u. a. mit Ludwig Uhland und Gustav Schwab. 1844 Erwerb des Fürstenhäuschens bei Meersburg.

Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen, Erstdruck in: [Cottasches] Morgenblatt für gebildete Leser, Nr. 96-111, Stuttgart 1842.

Weitere wichtige Werke: Gedichte 1838 (darin u. a. Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard) - Der spiritus familiaris des Roßtäuschers Ep. 1842 - Gedichte 1844 - Das geistliche Jahr G. 1851.

 

Friedrich Dürrenmatt

Von seinen Theaterstücken und erzählenden Schriften geht eine ungeheuerliche Provokation aus. Er glaubt weder an Gerechtigkeit noch an Menschlichkeit, er kennt keine Barmherzigkeit, er ist und bleibt unversöhnlich. Sein Angebot ist verschwenderisch, alles kann man bei ihm finden: Gestalten und Geschichten, Hohn und Haß, Ulk und Unsinn, Witz und Weisheit - nur keine Ideen. Doch zielen seine Hauptwerke (Der Besuch der alten Dame, Die Physiker, Die Panne) mitten auf unsere Existenz.
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Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 in Konolfingen bei Bern geboren und starb am 14. Dezember 1990 in Neuchâtel in der Schweiz.
Ab 1945 Studium der Philosophie, Theologie und Germanistik in Bern und Zürich. 1947 Heirat mit Lotti Geißler. 1951-53 Theaterkritiker der Züricher ›Weltwoche‹. 1967-70 Direktionsmitglied und Regisseur am Basler Stadttheater. 1969 Mitherausgeber und Miteigentümer der Wochenzeitung ›Sonntagsjournal. Zürcher Woche‹. 1970-72 Berater des Züricher Schauspielhauses. 1982 Tod der Ehefrau. 1985 Heirat mit Charlotte Kerr.

Die Panne, Erstdruck: Zürich 1956.

Weitere wichtige Werke: Die Ehe des Herrn Mississippi Dr. 1952 - Der Richter und sein Henker R. 1952 - Der Verdacht R. 1953 - Grieche sucht Griechin R. 1955 - Der Besuch der alten Dame Dr. 1956 - Romulus der Große Dr. 1958 - Das Versprechen R. 1958 - Abendstunde im Spätherbst H. 1959 - Die Physiker Dr. 1962.

 

Marie von Ebner-Eschenbach

Alle ihre Werke enthalten - so der Titel ihres wohl populärsten Buches - Dorf- und Schloßgeschichten. In dramatischen Szenen und pointierten Episoden kritisierte sie, freilich sanft und liebevoll und mit verständnisvollem Humor, die Welt ebenso des Adels wie des Kleinbürgertums. Zu diesem Universum gehören skurrile Sonderlinge und Außenseiter, auch sie mit Güte und Mitleid betrachtet.
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Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach wurde als Gräfin Dubsky am 13. September 1830 in Zdislawitz bei Kremsier in Mähren geboren und starb am 12. März 1916 in Wien.
Wuchs auf dem elterlichen Gut in Mähren bzw. in Wien auf. 1848 Heirat mit dem Vetter Moritz Freiherr von Ebner-Eschenbach, mit dem sie in Wien lebte. 1851-63 in Klosterbruck bei Znaim in Mähren. Ab 1863 wieder in Wien. Begegnung u. a. mit Friedrich Hebbel, Franz Grillparzer.

Krambambuli, Erstdruck in: Dorf- und Schloßgeschichten, Berlin 1883.

Weitere wichtige Werke: Bozena R. 1876 - Das Gemeindekind R. 1887.

 

Joseph von Eichendorff

Er war und ist einer der beliebtesten Dichter in der Geschichte der deutschen Literatur - und das mit gutem Grund. In seiner oft volksliedhaften Lyrik ist der Wortschatz nicht sehr groß, seine Motive wiederholen sich. Aber der Ton dieser Poesie ist unverwechselbar, die Musikalität ihrer Sprache immer wieder erstaunlich. Mit vielen seiner Gedichte, die von den bedeutendsten Kom- ponisten vertont wurden, und mit der Erzählung Aus dem Leben eines Taugenichts hat er weitgehend die Vorstellung von der deutschen Romantik geprägt.
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Joseph Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 auf Schloß Lubowitz in Oberschlesien geboren und starb am 26. November 1857 in Neiße.
1804-06 Philosophie- und Jurastudium in Breslau und Halle, ab 1807 in Heidelberg, wo er u.a. mit Joseph von Görres zusammentraf. 1808 Reise nach Paris. Begegnung mit Achim von Arnim und Clemens Brentano. Abschluß des Studiums in Wien. Begegnung mit Friedrich und Dorothea Schlegel. 1815 Heirat mit Luise von Larisch. Ab 1819 Anstellung beim Kultusministerium Berlin, später kommissarischer Schulrat für Westpreußen und Danzig. 1824-31 Oberpräsidialrat und Mitglied der ostpreußischen Regierung Königsberg. Bekanntschaft u. a. mit Savigny und Adelbert von Chamisso in Berlin. 1844 Entlassung aus dem Staatsdienst. 1855 Übersiedlung nach Neiße.

Das Marmorbild. Eine Novelle, Erstdruck in: Frauentaschenbuch auf das Jahr 1819, Nürnberg 1819.
Aus dem Leben eines Taugenichts, Erstdruck: Berlin 1826.
Das Schloß Dürande. Eine Novelle, Erstdruck in: Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1837, Leipzig 1837.

Weitere wichtige Werke: Ahnung und Gegenwart R. 1815 - Dichter und ihre Gesellen R. 1834 - Gedichte 1837 - Robert und Guiskard Ep. 1855 - Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands 1857.

 

Fotos: Isolde Ohlbaum (Friedrich Dürrenmatt)
Weitere Nachweise über das Bildarchiv des Suhrkamp Verlags.


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