Der Kanon Die deutsche Literatur






DER SPIEGEL 25/2001 - 18. Juni 2001

"Literatur muss Spaß machen"
Marcel Reich-Ranicki über einen neuen Kanon lesenswerter deutschsprachiger Werke

SPIEGEL: Herr Reich-Ranicki, Sie haben für den SPIEGEL Ihren persönlichen literarischen Kanon zusammengestellt, die Summe Ihrer Erfahrung als Literaturkritiker - für Schüler, Studenten, Lehrer und darüber hinaus für alle, die an der Literatur interessiert sind. Gibt es überhaupt einen Bedarf für eine solche Liste literarischer Pflichtlektüre?
Marcel Reich-Ranicki: Ein Kanon ist nicht etwa ein Gesetzbuch, sondern eine Liste empfehlenswerter, wichtiger, exemplarischer und, wenn es um die Schule geht, für den Unterricht besonders geeigneter Werke. Die Frage, ob wir einen solchen Katalog benötigen, ist mir unverständlich, denn der Verzicht auf einen Kanon würde den Rückfall in die Barbarei bedeuten. Ein Streit darüber, wie der Kanon aussehen sollte, kann dagegen sehr nützlich sein.

(Das ganze Gespräch finden Sie hier.)


stern 7. Oktober 2003

"Ich lasse mich nicht beirren"
Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Stefan Draf und Michael Stössinger


DIE WELT 21. Oktober 2003

"Wer will, soll's besser machen"
Marcel Reich-Ranicki über den zweiten Teil seines Literatur-Kanons: die Erzählungen
Das Gespräch führte Uwe Wittstock.

DIE WELT: Ihr Kanon soll, wenn er fertig ist, fünf gewichtige Buchkassetten umfassen: Die 20 Bände des Roman-Kanons sind im vergangenen Jahr erschienen, jetzt kommen in 10 Bänden die Erzählungen. Dramen, Gedichte und Essays sollen folgen. Wie lange haben Sie an der Zusammenstellung dieses Großprojekts gearbeitet?
Marcel Reich-Ranicki: Rund 70 Jahre. Ich sage das ohne Koketterie. Vor 70 Jahren war ich 13 Jahre alt und fing an, Literatur zu lesen, vor allem deutsche. Damals war ich bei der Frage, was ich lesen sollte, angewiesen auf Ratschläge. Zwei Institutionen waren da für mich besonders wichtig: das Theater und der Deutschunterricht. An den Berliner Theatern durften damals viele zeitgenössische Autoren nicht gespielt werden, weil die Nationalsozialisten sie verboten hatten. Also wurden vor allem die deutschen Klassiker gespielt, was zu meiner Bildung erheblich beitrug. In der Schule war es ähnlich, jedenfalls bin ich bis heute dem Deutschunterricht sehr dankbar. Doch ein Kanon hat mir damals mit 13 Jahren gefehlt. Er hätte mir in meiner Lesewut, meiner Leselust eine Orientierung sein können.

(Das ganze Gespräch finden Sie hier.)


Frankurter Allgemeine Sonntagszeitung 2. November 2003
Wer soll das alles lesen und warum?
Marcel Reich-Ranicki erklärt, wie die 180 Erzählungen in seinen Kanon kamen. Und wer leider draußen bleiben muß

FAS: Im biblischen Sinne ist kanonisch das Wahre und apokryph das Falsche: Muß das nicht auch für den Kanon der Literatur gelten?
Marcel Reich-Ranicki: Die simple Teilung "kanonisch - apokryph" ist für unseren Kanon nicht anwendbar. Der Hauptgrund: Viele Romane und Erzählungen, beachtliche und auch schöne, konnten nicht aufgenommen werden, weil der Kanon, wollte man keine Grenzen gelten lassen, seinen Sinn eingebüßt hätte. Er würde alle überfordern, vor allem die Leser.

(Das ganze Gespräch finden Sie hier.)


focus 10. November 2003

"Ich gebe mir Mühe, nicht langweilig zu sein"
Marcel Reich-Ranicki über seinen neuen Literaturkanon, die Macht des Kritikers und die Lieblingsfeinde Grass und Walser

FOCUS: Herr Reich-Ranicki, nach Ihrer Buchkassette mit 20 deutschen Romanen, die Sie für unverzichtbar halten, geben Sie nun einen Kanon der Erzählungen heraus. Und es sollen noch drei weitere Pakete mit Dramen, Lyrik und Essays folgen. Wer, bitte, soll das alles lesen?
Marcel Reich-Ranicki: Als Antwort auf diese provozierende Frage habe ich mir einen Slogan zurechtgelegt: Dies ist ein Kanon für Leser. Nicht für jüngere Leser, wie gerne behauptet wird, sondern für Leser von zehn bis 100 Jahren.

(Das ganze Gespräch finden Sie hier.)


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