Die Blechtrommel
Anfang der fünfziger Jahre trommelt und schreibt in einer Heil- und Pflegeanstalt ein Buckliger des Jahrgangs 1924 die Geschichte seines Lebens und seiner Familie vom Beginn des Jahrhunderts bis in das Deutschland Adenauers. Er hat alles gesehen und gehört, nichts ist ihm entgangen, denn er ist ein hellhöriger Säugling, dessen geistige Entwicklung bereits bei der Geburt abgeschlossen ist. Der Außenseiter, der als Dreijähriger das Wachstum eingestellt hat, der Wirklichkeit ertrommeln und Glas zersingen kann, erweist sich dabei als der einzig Gesunde in einer Welt des Scheins, der Lüge und des Verbrechens. Am Ende seiner phantastischen Autobiographie, die Oskar Matzerath vom Vorkriegs-Danzig bis ins Düsseldorf der Nachkriegszeit führt, »entdeckt man, daß man über Deutschland und Mitteleuropa - sowohl in der Zeit des Völkermordes als auch im Biedermeier der Restauration - mehr weiß als je zuvor« (Lars Gustafsson, 1961). Mit dem Erscheinen der Blechtrommel im Jahr 1959 gewann der deutsche Nachkriegsroman Anschluß an die Weltliteratur und Oskar der Trommler seinen festen Platz in der modernen Mythologie.