Die Strudlhofstiege
Eine der heimlichen Sehenswürdigkeiten von Wien ist die Strudlhofstiege im neunten Bezirk. Sie verbindet nicht nur den Alsergrund mit der Währinger Straße, sondern auch die Gegenwart mit der k. k. Monarchie. Wer auf ihr in die Tiefe der Jahre hinabsteigt, hat die einzigartige Chance, jenes Österreich wiederzufinden, dessen Wesen ganz immateriell und dessen Aura von unwiderstehlichem Reiz ist. Eingefangen hat den Genius loci der Strudlhofstiege Heimito von Doderer in seinem epochalen Großstadtroman (von 1951), den Hilde Spiel als "non plus ultra österreichischer Lebenshaltung" feierte. Im Mittelpunkt steht der Amtsrat und frühere Major Melzer, bei dem "im Oberstübchen das Licht nicht gerade sehr hell brennt", wie Doderer von seinem "Helden" schreibt. Melzer ist jedoch "nur ein Farbfleck - ein ausgesparter Fleck? - in dem großen Zeitgemälde, das Doderer entwirft. Der Roman schildert im wesentlichen die Jahre knapp vor dem Ersten Weltkrieg und bald nach dessen Ende und tut dies in unaufhörlichen Sprüngen über Zeit und Erinnerung hinweg … Hier ist, wie in einem gewaltigen Spiegel, die letzte mürbe Reife einer jahrhundertealten Kultur eingefangen. Aber der Spiegel maskiert nur eine Tür, die ins Schloß gefallen ist." (Hilde Spiel)