Frau Jenny Treibel
"Dieser neueste Roman Theodor Fontanes aus der Serie moderner Berliner Sittenschilderungen", so notiert ein Rezensent nach Erscheinen des Romans 1892, "zuerst in der ›Deutschen Rundschau‹ abgedruckt, erfreute sich schon damals eines bedeutenden Erfolges und wurde allgemein als ein Meisterwerk Fontanes anerkannt. Jeder, der den Roman liest, wird sich dem Eindruck dieses ›Kunstwerks aus einem Guß‹ nicht entziehen können. Was sind das für Figuren, die uns Fontane hinstellt: dieser Professor Schmidt, Corinna, die Familie Treibel samt ihrer Koterie, und vor allem diese Kabinettsstudie: die alte Schmolke …"Fontanes Roman aus der Berliner Gesellschaft ist zweifellos ›witzig‹ - und dies im doppelten Verstand des Wortes: unterhaltend durch Spott und Ironie, geistreich in der Beobachtung. "Zweck der Geschichte: das hohle, phrasenhafte, lügnerische, hochmütige, hartherzige des Bourgeoisstandpunktes zu zeigen, der von Schiller spricht und Gerson meint", schreibt Fontane an seinen Sohn Theo.
Im Mittelpunkt des Romans steht die aus kleinen Verhältnissen zur Kommerzienrätin aufgestiegene Jenny Treibel, die "fürs Romantische, Ideale, Poetische, Ästhetische, Ethische und Etepetetische" schwärmt und der doch die materielle Sicherheit der einzige Wertmaßstab ist.
