Der Kanon Die deutsche Literatur






Heinrich Mann
Professor Unrat


"Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat." So beginnt die Geschichte eines Tyrannen, dem seine Schüler ebenso zum Opfer fallen wie die Epen Homers oder Schillers Jungfrau von Orleans. Unrats Gegenspieler ist der Schüler Lohmann, ein freier, selbständig denkender Geist, der einzige aber auch, den Unrat als gefährlichen Gegner erkennt und anerkennt. Bei der Verfolgung des Schülers gerät Unrat an die "Künstlerin" Fröhlich. - "Ich rate Ihnen, verlassen Sie mit Ihrer Gesellschaft die Stadt, ziehen Sie in großen Tagesmärschen davon." - Und nun bekommt das weitere Schicksal des kleinen Schultyrannen dämonische Züge. Den Reizen der Dame Fröhlich verfallend, muß er seinen Abschied nehmen. Er wird zum Kuppler und Spielbankhalter und damit zum bösen Geist einer ganzen Stadt. Das ist die Größe des Romans: Diese uns fast unwahrscheinlich anmutende Gestalt des Unrat, dieses Gemisch aus pedantischem Schinderhannes und skrupellosem Abenteurer ist dennoch glaubhaft und als Bild des Tyrannen überzeugend - und sie erweckt Mitleid. Professor Unrat ist weit über seine Zeit hinaus gültig.
Der vorliegende Roman gilt als einer wichtigsten von Heinrich Mann. Er erschien erstmalig im Jahre 1905. Mit diesem Frühwerk, dessen Verfilmung mit Emil Jannings und Marlene Dietrich unter dem Titel Der blaue Engel zu einem der wenigen wirklichen Welterfolge des deutschen Films wurde, gelang Heinrich Mann eine meisterhafte Karikatur der Wilhelminischen Zeit.


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