Die Leiden des jungen Werthers
Anonym erschien zur Leipziger Herbstmesse 1774 der Briefroman Die Leiden des jungen Werthers. Doch der Name des Verfassers Johann Wolfgang Goethe blieb nicht lange verborgen; schon bald trug das Buch seinen Namen in alle Welt."Allerhand neues hab ich gemacht", schrieb er in einem Brief vom Juli 1774: "Eine Geschichte des Titels: die Leiden des jungen Werthers, darin ich einen jungen Menschen darstelle, der mit einer tiefen reinen Empfindung und wahrer Penetration begabt, sich in schwärmende Träume verliert, sich durch Spekulation untergräbt, bis er zuletzt durch dazutretende unglückliche Leidenschaften; besonders eine endlose Liebe zerrüttet, sich eine Kugel vor den Kopf schießt."
Selten hat ein Werk so den Nerv seiner Zeit getroffen. Sehr viele, vor allem junge Menschen konnten sich mit dem Helden identifizieren. Der Roman galt sofort nach Erscheinen als literarische Sensation und entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Publikumserfolg - allein zu Goethes Lebzeiten kam es zu mehr als 50 Drucken und zu Übersetzungen ins Französische, Englische und Italienische. Der Roman löste ein "Werther-Fieber" aus, das ganz Europa überzog.
Goethe selbst hat seinen Roman 1787 in einer zweiten Fassung veröffentlicht; geblieben aber ist die erste Fassung von 1774, mit ihrer Lebendigkeit und Unmittelbarkeit. Hier hat ein leidenschaftlicher junger Autor einer ganzen Generation, dem ›Sturm und Drang‹, eine weithin gehörte literarische Stimme verliehen.
