Von der Klassik und Romantik wandte er sich schroff ab, die Dichter, die sangen, rezitierten und deklamierten, hat er verachtet. Er wollte nicht singen, er wollte stöhnen, schreien und brüllen, er hatte eine ganz neue Literatur im Sinn. Das Hauptproblem seines (vorwiegend dramatischen Werks) ist der Konflikt zwischen Idee und Wirklichkeit. Das gilt auch für seine eigenen literarischen Bemühungen: Er hat viel geplant, großzügig skizziert und genialisch entworfen, aber nur wenig realisiert. Gleichwohl hat er inspirierend, ja bahnbrechend gewirkt: Er hat das realistische Drama angeregt und die Expressionisten ebenfalls. Er hat manche Elemente des »epischen Theaters« und – zumal mit seinem Lustspiel Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung – sogar das »Theater des Absurden« vorweggenommen.
MRR
Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (Band 5, Seite 389), Erstdruck in: Dramatische Dichtungen von Grabbe, Frankfurt am Main 1827 [in einer gemäßigten Fassung]. Uraufführung: Wien 7. Dezember 1876.
1801
11. Dezember: Christian Dietrich Grabbe wird als einziges Kind des Zuchthausaufsehers Adolph Heinrich Grabbe und seiner Frau Amalia Catharina Dorothea, geb. Grüttemeier, in Detmold geboren.
1807-1812
Besuch der Bürgerschule in Detmold
1812
Eintritt in das Detmolder Gymnasium. Während der Gymnasialzeit umfangreiche Lektüre und erste dramatische Versuche unter dem Einfluß Shakespeares.
1817
Juli: Grabbe bietet dem Verleger Georg Joachim Göschen in Leipzig das Manuskript seines Dramas »Theodora« (nicht erhalten) an, der jedoch ablehnt.
1820
Mai: Nach dem Erhalt des Reifezeugnisses Beginn eines Jurastudiums in Leipzig mit einem Stipendium der Fürstin Pauline.
1822
Wechsel an die Berliner Universität. Abschluß der Tragö- die Herzog Theodor von Gothland sowie der Komödie Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. Bekanntschaft u. a. mit Heinrich Heine, Karl Köchy und Friedrich von Uechtritz.
1823
Vergeblicher Versuch, sich als Autor, Schauspieler oder Dramaturg am Theater zu etablieren. Angesichts der Mißerfolge gerät Grabbe in eine tiefe Lebenskrise. Rückkehr nach Detmold.
1824
Grabbe wendet sich wieder dem Studium zu. Nach Ablegung des juristischen Staatsexamens erhält er die Erlaubnis, in Lippe als Advokat zu praktizieren. Unterbrechung der schriftstellerischen Tätigkeit bis 1826.
1826
Grabbe vertritt den erkrankten lippischen Militärauditeur (Militärrichter) und wird 1828 dessen Nachfolger.
1827
Oktober: Die bisher unveröffentlichten Jugendstücke erscheinen u. d. T. Dramatische Dichtungen nebst einer Abhandlung über die Shakespearo-Manie (2 Bände), enthalten u. a. die Tragödien Marius und Sulla und Herzog Theodor von Gothland sowie die Komödie Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung.
1829
29. März: Die Tragödie Don Juan und Faust (Musik von Albert Lortzing) wird als einziges Stück zu Lebzeiten des Autors am Hoftheater Detmold uraufgeführt. Die Buchausgabe erscheint im gleichen Jahr. Arbeit an mehreren Geschichtsdramen.
1831
Das Drama Napoleon oder Die hundert Tage erscheint.
Frühjahr: Verlobung mit Henriette Meyer, die aber bereits nach wenigen Monaten wieder gelöst wird.
August: Reise nach Frankfurt, Rheinfahrt von Mainz nach Koblenz.
1832
Wiederholte Krankheitsanfälle als Folge seiner Trunksucht. Unterbrechung der schriftstellerischen Tätigkeit bis 1834.
1833
März: Heirat mit Louise Christiane Clostermeier, der zehn Jahre älteren Tochter eines lippischen Archivrats. Angesichts der als quälend empfundenen Amtgeschäfte, der ablehnenden Haltung der Bühnen und einer unglücklich verlaufenden Ehe verschärft sich Grabbes Lebenskrise. Zunehmende Trunksucht.
1834
Februar: Gesuch um die Entlassung aus dem lippischen Staatsdienst. Arbeit an dem Geschichtsdrama Hannibal, das im folgenden Jahr erscheint.
Oktober: Flucht zu seinem Verleger nach Frankfurt/Main, mit dem er sich jedoch bald überwirft.
Dezember: Weiterreise zu Karl Immermann nach Düsseldorf, der ihn finanziell unterstützt.
16. Dezember: Entlassung aus dem Staatsdienst.
1835
Arbeit an dem Geschichtsdrama Die Hermannsschlacht, das 1838 erscheint.
November: Grabbe beginnt mit seiner Tätigkeit als Theaterkritiker (bis Mai 1836).
1836
Erkrankung an Rückenmarkschwindsucht, Verschärfung der Trunksucht.
26. Mai: Grabbe kehrt vereinsamt und gescheitert nach Detmold zurück, wo er sich nur mit Hilfe der Polizei Einlaß in das Haus seiner Frau verschaffen kann.
12. September: Grabbe stirbt in Detmold.
